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TU Berlin

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Walter-Höllerer-Vorlesung

Walter Höllerer, Internationale Theaterwochen der Studentenbühnen, Erlangen 1963
Lupe

Einmal im Jahr findet, jeweils zum Ende des Sommersemesters, die Walter-Höllerer-Vorlesung statt, die sich an eine breite, akademisch interessierte Öffentlichkeit richtet. Mit ihr erinnert die Gesellschaft von Freunden der TU Berlin an den Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Walter Höllerer (1922-2003) und seinem Einsatz für die Universität als Ort der Geistesgegenwart im „technischen Zeitalter“. Bei der Programmgestaltung wird die Gesellschaft von Freunden der TU Berlin von einem Beirat unterstützt. Ihm gehören an: Ulrike Draesner, Axel Gelfert, Eva Geulen, Florian Höllerer, Sebastian Möller sowie Hans-Christian von Herrmann (für den Vorstand). 

Vor 12 Jahren war der Schweizer Germanist und Schriftsteller Peter von Matt der erste Redner in dieser Reihe, in der seitdem Männer und Frauen ganz unterschiedlicher Profession für ihre Arbeiten auf dem Feld von Wissenschaft, Kunst und Kultur durch eine Einladung geehrt wurden. Dabei waren neben den verschiedenen historischen Geisteswissenschaften auch die Hirnforschung und die Primatenforschung vertreten. Die Vorlesung im Jahr 2010 war dem ehemaligen Studenten der TH Berlin und Erfinder der ersten programmgesteuerten Rechenmaschine, Konrad Zuse, gewidmet. Sie wurde gemeinsam bestritten vom Schriftsteller F.C. Delius und dem Informatiker Bernd Mahr, dem 2015 verstorbenen langjährigen Mitglied der Freundesgesellschaft. 

Mit dieser thematisch breiten, fächerübergreifenden Ausrichtung will die Walter-Höllerer-Vorlesung an die Aktivitäten ihres Namensgebers erinnern, der von 1959 bis 1988 Literaturwissenschaft an der TU Berlin lehrte und daneben auch als Lyriker, Literaturkritiker und Literaturvermittler hervortrat. Höllerer hat dem Kulturleben seiner Stadt Impulse gegeben, die bis heute spürbar sind. So hat man ihn in neueren Würdigungen den „Erfinder des Literaturbetriebs“ genannt, nicht zuletzt im Blick auf seine Gründung des Literarischen Colloquiums (LCB), des in der Vielzahl und Qualität seiner Veranstaltungen weiterhin einzigartigen Literaturhauses am Wannsee. Auf jeden Fall war Walter Höllerer auf maßgebliche Weise daran beteiligt, daß die Stimme der deutschsprachigen und internationalen Literatur im Nachkriegsberlin wie im Nachkriegsdeutschland wieder ein konstitutiver Bestandteil der Öffentlichkeit werden konnte. Die von ihm zu Beginn der sechziger Jahre organisierte Lesereihe Literatur im technischen Zeitalter wurde nicht nur ein großer Publikumserfolg, sondern zugleich auch ein bundesweites Fernsehereignis. 

Die Gesellschaft von Freunden der TU Berlin erinnert mit dieser Vorlesung aber auch an eine wichtige Seite des Hochschullehrers und öffentlichen Intellektuellen Walter Höllerer. So rief er 1961 eine Zeitschrift ins Leben, deren heute sprichwörtlich gewordener Titel kurze Zeit später auch bei der Benennung des neugegründeten literaturwissenschaftlichen Instituts Verwendung fand: "Sprache im technischen Zeitalter". Vor dem Hintergrund einer immer weiter voranschreitenden Ausdifferenzierung der universitären Wissenschaft in einander oft sprach- und verständnislos gegenüberstehende Teilgebiete, war damit ein gemeinsamer zeitdiagnostischer Bezugspunkt markiert: der tiefgreifende Wandel der Lebenswelt im Zeichen neuer intelligenter Technologien. Der Philosoph Gotthard Günther, der in seinen Schriften schon früh auf diese Entwicklungen antwortete, sprach damals von trans-klassischen Maschinen, insofern sie sich nicht mehr an der Mechanik und Energetik der menschlichen Arbeit, sondern an den neurophysiologischen Prozessen des Gehirns orientierten. Das Schlagwort, unter dem diese veränderte Lage in den fünfziger und sechziger Jahren verhandelt wurde, lautete: Kybernetik. Der Philosoph Arnold Gehlen, auf dessen vielgelesenen Essay "Die Seele im technischen Zeitalter" von 1957 Walter Höllerer bewußt anspielte, stellte gegenüber der Kybernetik als Theorie der Regelungstechnik fest, die technischen Wissenschaften hätten sich hier zu  einem Erkenntnisinstrument in Bezug auf das menschliche Denken und Verhalten gewandelt und damit genau das Gebiet betreten, auf das bis dahin allein die Geisteswissenschaften Anspruch erhoben. Die Technik sei heute, wie Gehlen schrieb, „in den Mittelpunkt der menschlichen Weltauslegung und damit auch seiner Selbstauffassung“  vorgerückt. 

Die Walter-Höllerer-Vorlesung 2019 wurde von Petra Gehring (TU Darmstadt) zum Thema "Ethik als Technik" gehalten. Sie fand am 11. Juli um 18 Uhr c.t. in Hörsaal H 104 statt (zum Audiomitschnitt).

Nachdem die Walter-Höllerer-Vorlesung 2020 pandemiebedingt ausfallen mußte, sprach am 8. Juli 2021 Hans Uszkoreit (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) zum Thema "Menschliche Sprache und Künstliche Intelligenz" (zum Videomitschnitt).

Die Walter-Höllerer-Vorlesung 2022 fällt ins Jahr des 100. Geburtstages ihres Namensgebers. Am 8. Dezember 2022 wird Hannes Bajohr (Universität Basel) zum Thema "Digitale Literatur" sprechen. 

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