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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Dr. Gerald Wildgruber

Lupe

Gerald Wildgruber, Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Philosophie und Romanistik in München und Paris. Maîtrise an der Sorbonne Nouvelle im Fach Littérature Générale et Comparée über die Form des Flaubertschen Spätwerks (Trois Contes, Tentation und Bouvard et Pécuchet) zwischen Kunst, Religion und Wissenschaft (Pratiques d’Exinanition. Sur la clôture flaubertienne du religieux). Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Vergleich dichterischer und spekulativer Formgebung, Rhythmus und Logik, bei Hölderlin und Hegel (Studien zum Verhältnis von Natur und Kunst bei Friedrich Hölderlin und Georg Wilhelm Friedrich Hegel). Gegenwärtige Position: Qualifikationsstelle zur Habilitation am Fachgebiet Literaturwissenschaft der TU Berlin, Arbeit zur Fiktion als Methode im Grenzbereich zwischen Literatur und Wissenschaft (Paul Valéry und Stéphane Mallarmé als Leser Descartes’).

Forschungsfeld

Meine Arbeit geht der Emergenz von Strukturen der Rationalität aus Mitteln und Wegen der Kunst nach. Rationalität kommt nach älteren (z.B. die Besonnenheit, σωφροσύνη, μῆτις, die List, das Verständige), wie auch nach neueren, genuin modernen Fassungen (Regeln zur Anleitung des Verstandes bis hin zu maschinengebundenen Verfahrensweisen) in Betracht. Die in der Frage angelegte Polarität erscheint mir besonders prägnant abbildbar auf das Verhältnis der Begriffe von Fiktion und Methode. Ihre Klärung und wechselseitige Demarkation erfolgt über das Studium solcher Formationen der Ideengeschichte, die in der Ausbildung von Fiktionen ein gültiges Mittel des Denkens zur Erlangung seiner Resultate begriffen. Solche methodischen Aspekte der Fiktion und der Imagination (die Fiktion als eine bestimmte Verfahrensweise des Geistes) zeigen sich insbesondere in der Untersuchung möglicher Wechselbeziehungen von dichterischer Sprache und formalen Sprachen. Dazu gehört auch der Phänomenbereich von Metrum und Rhythmus als genuin dichterische Formgebung. Die damit implizierte Beziehung von Dichtung, Wissenschaft und Technik tritt klarer hervor in dem Versuch, Einsicht in die Werke der Literatur von der Seite ihrer Produktion zu gewinnen, — also nicht so sehr aus „Eindrüken, die sie machen“, als „nach ihrem gesezlichen Kalkul und sonstiger Verfahrungsart, wodurch das Schöne hervorgebracht wird“ (Hölderlin). Einerseits kommt die Literatur so in andere, als bloß dokumentarische Beziehung zu Wissenschaft und Technik. Andererseits konturiert sich die Sprache als Element der Literatur stärker an potentiellen Antagonisten wie Bild, Figur und Zahl.

Diese Forschung kommt ohne neue Kanonbildung, etwa aus explizit technikaffinen literarischen Positionen, aus, sondern klassische Texte der gesamten Literaturgeschichte (wie z.B. Pindar, Tragiker, Sei Shōnagon, Trobadors, d'Orléans, Donne, Doctrine classique Formation, Klopstock, Hölderlin, Frühromantik, Poe, Baudelaire, Flaubert, Carroll, Isidor Ducasse aus Montevideo, Mallarmé, Valéry, Roussel, Pessoa, Pound, Benn, Tsvetaeva, Mandelstam, Zürn, Celan und Beckett) kommen, um nur einige Namen zu nennen, für diese veränderte Perspektive in Betracht. Die Beziehung von Dichtung und Mathematik/Logik ist fruchtbar und spannungsvoll, wenn der Pol der Kunst darin nicht auf inhaltliche Nähe oder die Nähe zum Aussehen formaler Argumente festgelegt wird, sondern eine latente, möglicherweise auf unbekannte Weise implementierte „Algebra“ (Fernando Pessoa) darstellt, ohne deswegen bloß metaphorisch darauf bezogen zu sein. Was ein genuin dichterisches μάθημα sein kann, bleibt offen und ist gerade zentrale Frage meiner Forschung.

Die Thematik möglicher prozeduraler Nähe von Dichtung, Wissenschaft und Technik bestimmen meine Forschung und Lehre an der TU Berlin: Studium der Literatur mit literaturtheoretischer und poetologischer Ausrichtung, das formale, systematische, operable und methodische Dimensionen des Literarischen hervortreten läßt. Literatur kommt als eine der Fiktion und der Abstraktion gewidmete Kunst in Betracht. Im Zentrum steht die Analyse von Texten der Literatur, deren Auswahl niemanden überraschen wird. Aber die Richtung der Lektüre wird auf weniger gewohnte Weise bestimmt durch Anregungen und Ideen aus dem Feld der Formalwissenschaften (v.a. die moderne Reformulierung von Mathematik und Logik als Begriffsbildung und Experiment des reinen Denkens), und umgekehrt lesen sich bestimmte logische und mathematische Grundlagentexte neu mit Begriffsbildungen, die aus dem ganz verschiedenen Umkreis beispielsweise poetologischer Überlegungen (z.B. die Poetik des Aristoteles) entstammen.

Kontakt

Technische Universität Berlin

Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte

Fachgebiet Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Literatur und Wissenschaft


Sekr. H 61

Straße des 17. Juni 135

D-10623 Berlin



Büro: H 2041
E-mail:

Telefon: +49 (0)30 314-25924
Telefon: +49 (0)30 314-23611 (Sekretariat)



Sprechzeiten :
jederzeit möglich; bitte zuvor kurz anrufen oder per E-Mail vereinbaren

 

 

Arbeitsschwerpunkte und Interessen

  • Dichtersprache und formale Sprachen, Literatur und die Wissenschaften, Geschichte der Formalismen zwischen Kunst und Wissenschaft
  • Poetologien von Lyrikern
  • methodische Aspekte der Fiktion
  • die natürliche Sprache und ihre Gegner: Bildlichkeit und Sprache, nicht-propositionaler, ikonischer Logos (nach Gottfried Boehm), Sprache und Kalküle, non-standard reasoning (Sprache und Schizophrenie), gebärdenhaft verfestigte, sklerotische Formen der Sprache; stark formalisierte, sinnabwendende Redeweisen, wie sie in ritualisierten/religiös-kultischen Kontexten auftreten
  • Nachleben der Antike, vor allem hinsichtlich der Emergenz formaler Methoden
  • Begriffe des Rhythmus, der Unterbrechung und Grenze; Techniken der Endlichkeit, Finitismen zwischen Kunst und Wissenschaft
  • Übergänge von Literatur und Wissenschaft, finesse und géométrie, insbesondere bei französischen Autoren, Descartes, Pascal, Méré, Diderot, Flaubert, Mallarmé und Valéry
  • Konnex von Religion (Mystik, neuzeitliche Spiritualität) und Wissenschaft:

    • Deutschland um 1800, Hölderlin und Hegel, Frühromantik
    • in Frankreich Zeitalter des Âge Classique, Port Royal und Oratoire (Bérulle, Condren, Nicole, Fénelon, Guyon, Surin)
    • ἀπάθεια und impersonnalité (nach Flaubert)

  • Geschichtlicher Blick auf den Beginn der technischen Kultur der Gegenwart im Zeichen der Digitalität, Digitale Geisteswissenschaften / humanités numériques; geisteswissenschaftliche Arbeit mit Linux und plain-text Systemen, Church of Emacs, Saint Ignucius, Org mode, LaTeX

Akademische Positionen

  • ab 2017: TU Berlin, zur Habilitation am Fachbereich Literaturwissenschaft „Literatur und die Wissenschaften“
  • 2009-2017: Forschungsstelle am Bildforschungszentrum NFS Bildkritik eikones der Universität Basel, zuletzt Co-Direktor Modul „Enthüllen und Verbergen. Methoden des Bildes in der Vormoderne.“
  • 2003-2008: Seminar für Ästhetik der Humboldt Universität zu Berlin, Assistent von Friedrich Kittler
  • 2002-2004: Makroschwerpunkt „Bild - Figur - Zahl: Bildforschung im transdisziplinären Kontext“, Gabriele Brandstetter, Gottfried Boehm, Achatz von Müller Universität Basel (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Verantwortung für Bereich „Zahl“)
  • 1997-2002: wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG Schwerpunktprogramm „Theatralität - Theater als kulturelles Modell in den Kulturwissenschaften“, Arbeitsgruppe Gerhard Neumann, LMU München (Arbeiten zur Instanz der Szene im Denken der Sprache)

Internationale Kooperationen

Konstitution einer deutsch-französisch-belgischen Forschergruppe zu Formprozessen zwischen Literatur und den Wissenschaften

[Abschnitt in Vorbereitung]

Lehrveranstaltungen

Technische Universität Berlin

  • WS 2017/18. Gottfried Benn: Roman des Phänotyp und Schriften der 40er Jahre
  • WS 2017/18. Formen der Imagination zwischen Literatur und Wissenschaften (Einführung KdW 2017/18)
  • SS 2018. HS Erforschung des Geistes mit Paul Valéry: Einführung in die Methode Leonardo da Vincis (1895)
  • SS 2018. CO Kulturen des Wissens - Plenum
  • WS 2018/19. Denken, Dichten, Rechnen in Hegels Vorrede
  • WS 2018/19. Plenum Kulturen des Wissens, Lewis Carroll und Gilles Deleuze
  • SS 2019. Poetik und Technik des Raumes in Literatur und Bildender Kunst, zusammen mit Stefan Neuner, UdK
  • SS 2019. Plenum Kulturen des Wissens: Funktionen des Literarischen in den Französischen Epistemologen
  • WS 2019/2020. Paul Celan: Der Meridian und Lyrik
  • WS 2019/2020. Fiktion und Methode


École Normale Supérieure de Lyon

  • Masteuriales Februar 2019: Problèmes de méthode en Esthétique II (auf Einladung von Audrey Rieber)
  • Séminaire de traduction philosophique: G. Boehm et la Bildkritik (Februar 2018 und Februar 2019), A.Rieber / A.Lagny


Humboldt Universität zu Berlin

  • SS 2004. Grenzverkehr. Die Stellung der Zahl in Kunst, Wissenschaft und Technik
  • WS 2004/05. Mathematische Existenz. Die Geburt der Fiktion aus dem Geist der Mathematik
  • WS 2005/06. Eniac as Drama, zusammen mit Martin Carlé.
  • WS 2005/06. Walter F. Otto und die Götter Griechenlands.
  • SS 2006. Rhythmos und Logos. Szenen konkurrierender Medialität
  • WS 2006/07. Google und Borges. Zur Ästhetik kollektiven Wissens
  • WS 2006/07. Medientheorie und Extremismus. Ibn Taymiyya wider die griechischen Logiker
  • SS 2007. Einführung in die Methode Leonardo da Vincis
  • SS 2007. Exzellenz und Mittelmaß. Kulturgeschichte der Bildung und des Lernens
  • WS 2007/08. Der Anfang des Europäischen Wissens in seinen Wörtern und Sachen (zu Benveniste, Vocabulaire)
     

Organisation wissenschaftlicher Veranstaltungen

Publikationen (Auswahl)

Monographie

  • Studien zum Verhältnis von Natur und Kunst bei Friedrich Hölderlin und Georg Friedrich Wilhelm Hegel, München, Univ., Diss., 2010

 

Herausgegebene Bände

  • Revealing and Concealing in the Premodern Period (zusammen mit Barbara Schellewald, Sophie Schweinfurth und Henriette Hoffmann), München, 2019 (Fink Verlag, Reihe eikones), in Vorb.
  • Imagination. Suchen und Finden (zusammen mit Gottfried Boehm, Emmanuel Alloa, Orlando Budelacci), München, 2014 (Fink Verlag, Reihe eikones)
  • Szenographien. Theatralität als Kategorie der Literaturwissenschaft (zusammen mit Gerhard Neumann und Caroline Pross), Freiburg, 2000 (Rombach Litterae Bd. 78)

 

Aufsätze (Auswahl)

  • Materialismus der Form zwischen Kleist und Hölderlin, in: Hajnalka Halász, Csongor Lörincz (Hgg.), Sprachmedialität. Verflechtungen von Sprach- und Medienbegriffen Sprachmedialität, hg.v. Csongor Lőrincz und Hajnalka Halász, Bielefeld 2019, S. 233-260
  • Ἑρμῆς ἐπιτέρμιος. Der Grenzgott und die regelmäßige Skansion des Raumes. In: Festschrift für Rüdiger Schmitt. Beiträge zur Iranischen und Indogermanischen Sprachwissenschaft, hg. v. Velizar Sadovski und Karin Stüber, Österreichische Akademie der Wissenschaften (Veröffentlichungen zur Iranistik), in Vorb.
  • Du retro-couplage de la nature avec elle-même: la conception kittlérienne de l’ordinateur et du numérique, In: Revue Appareil, hg. v. Audrey Rieber und Slaven Waelti
  • Sichtbarer Körper, Verborgene Macht (zu Pjotr Pawlenski), in: Uni Nova Nr 129 (Mai 2017), S.24-25.
  • gegen / Dem Lichte – Poesie und Parrhesie nach Rousseau und Hölderlin. In: Aufrichtigkeitseffekte. Signale, Figurationen und Medien im Zeitalter der Aufklärung, hg. v. Simon Bunke und Katharina Mihaylova, Freiburg i.Br./Berlin/Wien, 2016, S. 75-112
  • Orphica. Sprache als Schrift und Metrum in Hölderlins Zeit der Geisteskrankheit. In: Schreibszenen. Kulturpraxis – Poetologie – Theatralität, hg. v. Sabine Lubkoll und Claudia Öhlschläger, Freiburg i.Br./Berlin/Wien (Rombach Litterae), 2015, S. 255-293
  • Architecture’s Cogito: Building at the edge of infinity. In: Building Cultures Valparaiso: Pedagogy, practice and poetry at the Valparaiso School of Architecture and Design, hg. v. A. Devabhaktuni, P. Guaita und C. Tapparelli, London (Routledge/EPFL Press), 2015, S. 30-43
  • Zur Logik des Imaginären: Dämonie, Erinnerung, Wissenschaft. In: Wildgruber et al., Imagination. Suchen und Finden, München, 2014, S. 47-89
  • L’Imitation de Flaubert ou les Mystères de l’homme athée. In: „Gustave Flaubert. À l’Orient du Réalisme“. Trivium. Revue franco-allemande de sciences humaines et sociales 11 (2012), 2012. 
  • Grundlegung der Bildzeit durch Phänomenologie des Heiligen bei Friedrich Hölderlin. In: Was ist ein Bild? hg.v. Sebastian Egenhofer, Inge Hinterwaldner, Christian Spies, München (Fink Verlag), 2012, S. 192 - 196
  • Das Miasma des Bildes. Über einige frühgriechische Intuitionen zu Bildlichkeit und Gewalt. In: Das erzählende und das erzählte Bild, hg. v. R. Simon und A. Honold, München (Fink Verlag), 2010, S.329-370
  • Das Schließen der Augen in der Mathematik. In: Figur und Figuration. Studien zu Wahrnehmung und Wissen, hg. v. Gottfried Boehm, Gabriele Brandstetter, Achatz von Müller, München (Fink Verlag), 2007, S. 205-235
  • Linguistic analysis of websites: a new method of analysing language, the poor cousin of usability (mit S. Duda, M. Schiessl, C. Rohrer und P. Fu), in: Nuray Aykin (Hg.), Usability and Internationalization. Global and Local User Interfaces. Proceedings of the 2nd international conference on Usability and internationalization, Beijing 2007, S.48-56.
  • Γένος μερόπων ἀνθρώπων: Das Geschlecht der Lautstromabteiler, oder: Was es heißt, die eigene Stimme zu analysieren. In: Die Geburt des Vokalalphabets aus dem Geist der Poesie. Schrift, Zahl und Ton im Medienverbund, hg.v. F. Kittler und W. Ernst, München (Fink Verlag), 2006, S. 171-198
  • Musik und Verbrechen in der Satire 2de (Neveu de Rameau) von Diderot. In: Inszenierte Welt. Theatralität als Argument literarischer Texte, hg. v. E. Matala de Mazza und C. Pornschlegel, Freiburg (Rombach), 2004, S. 105-138
  • Kunst · Religion · Wissenschaft. Zur Konstellation dreier Terme im Spätwerk Flauberts. In: Hofmannsthal Jahrbuch zur europäischen Moderne, Bd.7 (1999), S.307-344.


Rezensionen

  • Joshua Billings: Genealogy of the Tragic. Greek Tragedy and German Philosoph, in: Hölderlin-Jahrbuch, Bd. 40 (2016-2017), S.295-300.

Vorträge (Auswahl)

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